Sonntag, 27. September 2009

Wie Autostopp, "sich Uebergeben" und der groesste Hagel-Gewittersturm zusammen passt...




Die Nacht wird trotzdem relativ unruhig, einige Hunde streunen herum, knurren und bellen sich die Seele aus dem Leib, so dass ich erst Angst habe, dann aber irgendwann frustrierend um meinen Schlaf gebracht aufspringe und die Hunde Steine bewerfend und auf deutsch fluchend verjage, dabei frage ich mich allerdings wie bescheuert das aussehen muss mitten in der Nacht mit Thermo-Unterwaesche in Tibet schreiend:"Verpiss dich du Sche...Koeter, oder ich mach dir Beine, dann kannst du mal sehen wie du dann guckst!"
Gegen fruehen morgen werden
wir dann von einer Yak-Heerde geweckt, die um unser "Lager" herumspaziert, eine Stunde spaeter erwischt mich dann eine schoene Magen-Darm-Grippe. Natuerlich haben uns auch schnell einige Tibeter entdeckt, die uns mit Gesten freundich zum Fruehstueck einladen. Ich leide allerdings schon so sehr und muss mich mehrmals uebergeben, so dass die tibetischen Schulkinder ihren Spass haben ("Was? Weisse muessen sich auch uebergeben!") - JAAAAHA! Waehrend ich also
auf meiner The
rmarest liege und warte dass es mir besser geht, besorgt Taylor Brote bzw. Flad
en, und eine Tibeterin schafft Koerbeweise Kuhmist heran und breitet diesen unweit von mir zum trocknen aus (fuer ihre Oefen als Brennmaterial) - was mir all
erdings in meinem Genesungsprozess nicht gerade hilft....

Ich liege und leide...irgendwann bedeutet mir eine Tibeterin mitzukommen, sie will mir Dscha geben. Benommen stolper ich hinter ihr her. Sie fuehrt mich in ihre Lehm
huette, dort steht wieder der typische Langofen
in der Mitte und es ist schoen warm! Ein etwa 3jaehriges Maedchen schaut mich mit grossen Augen erstaunt an. Ich setze mich und trinke Tee, sie macht mir klar das ich


mich hinlegen soll. Wie ge
rne wuerde ich das Angebot annehmen - aber ich denke an die wenigen Tage und mein Visum und die grosse Strecke die noch vor uns liegt. Nach einer halben Stunde "Pause" in der schoenen, warmen Huette verabschiede ich mich, und sie begleite
t mich zurueck zu unserem Lager.

Tibeter sind ein seeehr gastfreundliches Voelkchen. Wann immer wir eingeladen werden muessen wir als erstes die Huette betreten, bekommen immer wieder Tee nachgeschenkt, auch wenn wir ihn noch nicht ausgetrunken haben, man bekommt immer den besten Platz am Ofen und alles was an Essen gerade da ist wird angeboten! Meistens sind das Teigbrotfladen, Yakmilch m
it Tee und zum Fruehstueck eine Art Mehl mit Butter und Zucker, welches dann mit Tee zu einem Klumpen geformt wird. Schmeckt jedenfalls gut!

Wir packen zusammen und machen uns auf den Weg, nicht ohne das uns dabei mindestens sieben tibetische Kinder neugierig zuschauen. Dieser Tag ist fuer mich per Autostopp recht hart, wir haben uns trotzdem fuer di
e weniger befahrene Strecke (welche in allen unseren Landkarten jeweils anders aussieht) entschieden um evtl. schneller hoch zur Seidenstrasse zu kommen.

Wir fahren mit zwei Trucks durch wunderschoene Landstriche, die ich nicht geniessen kann, da ich ab und zu das Fenster runterkurbeln muss um mich - bei laufender Fahrt- zu uebergeben. Positiv ist allerdings, dass beide Trucks mit gerade mal 30-40kmh die Strassen hochklettern, da sie so schwer beladen sind, so dass ich nicht zu sehr hin und hergeschuettelt werde, sondern einfach - wie im Delirium- in einer Stellung ausharre.

Unser zweiter Truck ist mit tibetischen Mustern verziert und der
Fahrer laedt uns gegen Abend zu seiner Familie ein. In diesem Fall nehmen wir gerne an, denn ich bin froh eine warme und trockene Unterkunft zu haben. Die Familie unseres Fahrers ist recht gross und alle sind sehr aufgeregt, dass wir zu Gast sind. Drei Kinder im Alter von 4-5 springen herum und freuen sich, als ich ihnen auf einer Toilettenpapierrolle verschiedene Tiere aufmale. Im tibetischenHauptraum, wo der grosse Ofen steht und wo die Familie auch schlaeft, ist es schoen warm und es haengen Bilder von Lhasa, der Portalla, Buddha und Co herum. Strom haben diese Haeuser in der Regel nicht, hoechstens durch eine Blockbatterie, ansonsten nutzen wir Kerzen. Die Moebel sind kunstvoll verziert (und alles ist schoen bunt!!). Alle Wandbehaenge oder Stoffe ha
ben schoene bunte Muster (Krissi wuerde vielleicht sagen: "Ein Kampf der Stile" :-) aber ich finde es total schoen und gem
uetlich)

Ich bin froh, dass es mir gegen Abend besser geht (Ich habe seitdem ich die Huette betreten habe, meinen Platz am Ofen nicht verlassen) und ich Tee und Brot zu mir nehmen kann
ohne das alles direkt wieder herauskommt. Die Familie ist voellig begeistert und aufgeregt als wir Fotos machen und sie freuen sich wie kleine Ki9nder sich selbst zu sehen! Es ist so schade, dass sie keine Adressen hier haben um Fotos zu schicken.
Wir schlafen gut in den tib
etischen Betten und verabschieden uns, natuerlich nicht ohne vorher gut gefruehstueckt zu haben. Alle begleiten uns hinaus und winken uns zum Abs
chied. Ich bereue, dass wir so wenig Zeit haben und nicht laenger bleiben koennen.

Tibeter sind neugierig wie kleine Kinder, sie packen alles an und untersuchen die Gegenstaende die wir dabei
haben (Taschenlampe, Rucksack, Kocher...),
gleichzeitig sind sie so herzlich und gastfreundlich, dass es mir schwerfallen wird "zurueck nach China" zu gehen, hier oben ist mein Heimweh wie weggeblasen vom tibetischen Hochlandwind.Mit kleinen Autostopps kommen wir aber eher beschwerlich voran, keine Autos...wir legen recht grosse Strecken zu Fuss zurueck. Wir enden in einem Dorf und versuchen rauszufinden wo wir eigentlich gerade sind. Erschreckenderweise sind wir in unserer Karte (auch nach mehrmaligem Fragen) nicht dort, wo wir eigentlich sein sollten. Wir halten Autofahrer an und versuchen aus dieser Stadt
herauszukommen. Es wird zum Desaster, wir machen ein ganzes "szenisches Spiel" (DANKE REFERENDARIAT, ich habs gelernt,...) eine Theaterauffuehrung am Strassenrand, um zu erklaeren was wir wollen - aber in einem Land, dass keine Koerpersprache besitzt, zwecklos - man wird einfach nur angestarrt und bekommt keine Antwort - the hardest part of hitch-hiking, here!
Voellig frustriert zwockeln wir nach fuenf Theaterauffuehrungen ab in unsere "mutmassliche" Richtung. Wir sollten mehr Chinesisch bzw. Tibetisch lernen...Ein Moench haelt an und wir erklaeren nochmals unser Problem - wir muessen raus aus dieser Stadt zur richtigen Strasse. Wir zwingen ihn schon fast uns zu bringen, er faehrt uns raus und ist verwundert, dass er uns auf einem Huegel an der Strasse im Nirgendwo rauslassen kann (aber das ist alles was wir wollen, und es ist sooo schwer zu erklaeren!) . Innerhalb der naechsten Stunde nimmt uns ein LKW mit, der uns abends an einer Kreuzung in der Landschaft rauslaesst, wir haben furchtbares Glueck, ein weiteres Auto kommt vorbei und faehrt in unsere Richtung. Es nimmt uns ein kleines Stueck mit, haelt dann allerdings an drei Zelten, wo ca. 25 Strassenarbeiter wohnen, welche dafuer zustaendig sind, die Loecher auf dieser Strecke notduerftig zu flicken, denn asphaltiert ist hier oben keine Strasse...
Das Fleckchen ist ansonsten wunderschoen, wir schlagen unsere Zelte am Fluss auf und richten uns fuer die frostige Nacht ein. Dann gehen wir mit chinesischen Instant-Nudeln in unseren Toepfen zurueck zu den Bauarbeiterzelten um nach heissen Wasser zu fragen. Sie laden uns direkt ins Zelt ein, freuen sich ueber den unerwarteten und offensichtlich interessanten Besuch, geben uns Tee, Broetchen und die besten Felle als Sitzgelegenheit. So sitzen wir also zwischen 25 tibetischen Strassenarbeitern um einen Ofen bei sternenklarer Himalya-Nacht und essen chinesische Instant-Nudeln. Unsere Gastgeber
geben sich ganz grosse Muehe und packen ihre drei englischen Woerter aus, sind furchtbar interessiert und freuen sich wie kleine Kinder als wir Fotos von ihnen machen. Ich bekomme heisses Wasser in einer Plastikflasche als Waermeflasche fuer mein Zelt, und schlafe einmal ohne kalte Fuesse ein!

Zu den chinesischen Strassenarbeitern sei noch kurz erwaehnt, dass diese meist monatelang in diesen Zelten am Strassenrand leben und lediglich fuer einen Hungerlohn, oder manchmal sogar nur fuer Essen arbeiten.



Am morgen packen wir frueh zusammen, natuerlich schaut
uns die einzige tibetische Familie die im Umkreis von 10km ihre Lehmhuette hat, dabei zu.
Genaugenommen wurde ich schon geweckt von zwei Paar kleinen, braunen, tibetsichen Kinderaugen, die in neugierig in mein Zelt geschaut haben :-)
Wir fruestuecken in Ruhe mit
den Strassenarbeitern, wir keonnen in diesem Teil etwa 20 Minuten vorher sehen ob ein Auto kommt. Der erste Pick-up
ist voll - aber wir passen trotzdem noch hinten auf die Ladeflaeche. Die Fahrt geht etwa 2-3 Stunden nordwestlich, und wir sind anschliessend voellig weiss zugestaubt. Dann warten wir etwa 1,5 Stunden auf das naechste Auto, haben dafuer aber einen Fluss wo wir uns waschen koennen. Einige auf Yaks reitende Kinder passieren uns mit ihren Schaf- und Kuhheerden.

Dann werden wir vom exakt gleichen Pick-up wieder aufgesammelt, wir bekommen Gesellschaft auf der Ladeflaeche von zwei weiteren Tibetern und machen es uns auf den Saecken bequem. Nach einigen Kilometern haben wir dann einen platten Reifen. Als ich mir den Vorgang des Reifen-Wechsels so anschaue...- ich mein ich hab ja selbst auch keine Ahnung, aber die gehen ihr Problem so daemlich an...egal, ich mische mich nicht zu derbe ein, weil das Maenner von anderen Kulturen sowieso nicht so gerne haben, wenn man als Frau mal was besser weiss....aber es dauert laaaaaaange! Nix mit Deutscher Effizienz :-)
Danach fahren wir fuenf Kilo
meter, dann ist der Reifen wieder platt (irgendwie erinnert mich das an den Autostopp in der Mongolei). Jetzt wird allerdings ein wenig praktischer gehandelt, wir fahren auf der Hinterachse jetzt einfach mit drei, anstatt mit vier Raedern weiter. Zack - einfach einen Reifen versetzt. Mit egal, so lange es voran geht.
Wir fahren auf ca. 5000m durch ein weites, endloses Hochplateau. Im Osten koennen wir schneebedeckte Berge sehen. Im Norden koennen wir dann - erschreckenderweise- eine schwarze Wand auf uns zukommen sehen. Wir bereiten uns auf das vor, was dort kommt, schuetzen die Rucksaecke mit Gewebetuechern, decken uns selbst mit Plastikplane zu, aber es wird verdammt kalt! Dann bricht das groesste Unwetter ueber uns herein, dass ich je erlebt habe. Die Blitze schlagen rechts und links von uns ein, im Sekundentakt. Hagel, Schnee und Wind stuermt ueber uns hinweg. Der Truck haelt an, wir kommen nicht mehr weit
er. Neben uns erkennen wir eine Lehmhuette, und entschliessen uns dorthin zu tuermen, da das Fuehrerhaeuschen des Trucks noch komplett voll ist mit der tibetichen Familie (und voll heisst hier wirklich (!) voll! Wir zaehlen bis drei, springen von der Ladeflaeche und stuermen in die Huette. Dort wohnen tatsaechlich Menschen, die uns direkt den besten Platz am Ofen anbieten, uns Dscha einschenken und tibetischen Brot geben. Es ist stockdunkel draussen ich erkenne die Gesichter nur schemenhaft, und wir sind klatschnass.
Gott sei Dank dauert das Unwetter nicht allzulange an und wir bedanken uns fuer die Gastfreundschaft und klettern total nass wieder auf die Ladeflaeche. Total durchgefroren werden wir dann ungluecklicherweise "in the middle of nowhere" rausgeschmissen, weil die Familie suedwaerts weiterfaehrt. Wir versuchen moeglichst schnell zu wandern, damit die Knochen/Muskeln wieder w
arm werden, bekommen jedoch Probleme wegen der extremen Hohe. Ich habe Atemnot. Endlich sehen wir eine Zelt- und Haeuseransammlung. Wir werden von ca. fuenf Hunden begruesst und 7-8 Einwohnern, die uns zum Tee einladen. Wir sagen nicht nein zum Ofen und sind dann bei der Familie gut aufgehoben und koennen langsam trocknen. Taylor muss sich dann allerdings wie immer selbst beweisen, wie hart und ausgefuchst er ist und will die Gastfreundschaft nicht annehmen und uebernachtet in einer verfallenen Huette bei ordentlichen Minus-Temperaturen. Wenn man zu lange reist, kriegt man halt auch einen Dachschaden. Ich lege mich lieber mit meiner guten, alten Thermarest neben den Ofen auf den Boden und schlafe gut, warm und trocken. Am anderen morgen darf ich nicht ohne Tee und Brot die Huette verlassen.

Die tibetische Grenze und Polizisten die man nicht Ernst nehmen kann:



Wir uebernachten nahe des Klosters und werden am naechsten Tag in das Dorf Manikango gebracht. Von dort geht es hoch ueber den 5000m Pass bis zur eigentlichen (von der chinesischen Regierung gemachten) Grenze nach Tibet. Wir werden von zwei Truck-Fahrern mitgenommen, die unglaublichen Spass daran haben uns dabei zu haben. Der Pass wird schwerer und schwerer. In schwindelerregender Hoehe kreuzen immer wieder Yak-Heerden unseren Weg und ich frage mich wie die eigentlich hierher kommen. An den hoechsten Pass-Punkten gibt es in Tibet immer “heilige Staetten” (aehnlich wie die mongolischen Ovoos), die hier allerdings “Schintis” oder so aehnlich heissen und mit bunten Tuechern behangen sind. Die Tibeter steigen also hier aus, sprechen Gebete und werfen kleine, bunt-bedruckte Zettel mit Bildern oder Spruechen in die Luft. Das bringt Glueck.
Die Truckdriver haben nicht den besten Fahrstil, so dass wir auf dem engen Pass bergab eine Kurve zu schnell nehmen und -gluecklicherweise- in der Hang-Mauer landen. Ich hoffe dass die Unfallstatistik fuer uns nun wirklich gesaettigt ist! Mehr brauch ich nicht!
Unsere Fahrer wollen in der naechsten Stadt “Dege” unbedingt noch unsere Fotos haben, die wir oben am Pass geschossen haben, also tun wir ihnen den Gefallen und drucken sie aus, stolz zwockeln sie mit den Bildern ab. Irgendwie sind hier immer alle ganz scharf darauf Fotos mit uns zu haben.
In Dege kaufe ich mir einen eue Tube Zahnpasta und dann machen wir uns auf den Weg zur Grenze. Leider ist es schon recht spaet, nur ein Pick-up, voll mit tibetischen Frauen auf der Ladeflaeche, nimmt uns auch noch mit hinaus aus der Stadt. Irgendwann bitten wir sie fuer uns anzuhalten, weil wir einen schoenen Campingspor am Fluss entdeckt haben und die Zelte noch vor der Dunkelheit aufbauen wollen. “Die Ladeflaeche” winkt uns zum Abschied zu und wir machen uns daran ein vernuenftiges Essen mit dem Kocher zu zaubern und uns fuer die Nacht vorzubereiten.
Irgendwelche ueberdimensionalen Maeuse oder Erdmaennchen schauen uns dabei neugierig zu, so dass wir die Lebensmittel nach dem Kochen SICHER verstauen. In der Nacht gibt es einen absolute atemberaubenden Sternenhimmel zu sehen, so dass ich mein Zelt am liebsten gar nicht schliessen moechte – am Morgen allerdings froh bin, da die Wolken dicht im Tal haengen und es soviel Kondensationswasser gibt, als ob es regnen wuerde. Eine Stunde rauemt die Sonne allerdings restlos auf! Wir packen zusammen, halten einen weiteren Pickup an, klettern auf die Ladeflaeche und sind wieder unterwegs. Die Grenze kommt fuer uns ein wenig unvorbereitet – offensichtich faehrt der Fahrer nach Tibet. Durch die erste Militaer-Kontrolle kommen wir auf der Ladefleache komischerweise noch unbehelligt durch (vielleicht sehen wir einfach schon aus wie Muell?!), ueberqueren dann den grossen Grenzfluss – und enden dann abrupt an einem Schlagbaum. Ein Soldat bedeutet uns auszusteigen, wir verabschieden und bedanken uns beim Fahrer, der passiert die Kontrolle problemlos. Wir fangen eine recht lustige Konversation mit den Grenzbeamten an (natuerlich hatten wir nicht damit gerechnet 1. die Grenze so schnell zu erreichen und 2. sieht die Grenze kaum wie eine vernuenftige Grenze aus, die kann man gar nicht Ernst nehmen) Auch die Grenzpolizisten sind viel zu neugierig, packen meine Gitarre aus, und fragen woher wir kommen. Allerdings fragen sie leider auch nach den Paessen. Wir spielen den “doofen-Touristen” und argumentieren: “But this is China right?” And Tibet is China, right?” – “Yees, Tibet=China” – “And we have Chinese Visa – where is the problem?” usw.
Sie zeigen uns dann natuerlich stolz irgendwelche Zettel mit chinesischen Schriftzeichen die wir haben muessten – wir sagen, dass wir kein Chinesisch lessen koennen usw.. Die Papiere sehen, nebenbei gesagt, total billig aus, die koennte man mit nem schwarzen Stift oder nem Kopierer ganz einfach faelschen. Wir entscheiden uns nach einigem Hin- und Her erstmal fuer den Rueckzug und verziehen uns auf die Bruecke, bis uns das Militaer auch dort wegholt “Thiiiiiss bridsch, veriii iimporrtant bridsch, cannot stay!”

Es ist jedenfalls Zeit die Lage zu ueberdenken. Ich sehe zwar auf einen Blick zwei Moeglichkeiten diese Grenzkontrolle zu umgehen, allerdings ist die Frage wieviele komplizierte Kontrollen es in Tibet zu umgehen gibt, die uns kostbare Zeit stehlen, da unsere Visumstage allmaehlich immer knapper werden. Es gibt also eine Moeglichkeit, wenn es dunkel ist, die Grenze zu umwandern, die zweite Moeglichkeit ist sich auf der Ladeflaeche eines Trucks zu verstecken. Da es noch frueh am Tage ist versuchen wir Moeglichkeit 2. Sollten wir gegen Mittag nicht weg sein, werden wir zurueck per Autostopp um dann hoch in die Quinqing-Province zu fahren. Wir versuchen also mehrer Trucks anzuhalten, aber offensichtlich wissen alle genau, was wir wollen. Keiner haelt an. Wir sprechen noch mit einigen Moenchen und versuchen sie zu ueberreden, aber auch sie geben uns zu verstehen, dass es momentan viel zu schwierig sei.
Wir vergleichen nochmals all unsere Strassenkarten und entscheiden uns dann, dieses komplizierte Unterfangen aufzugeben und zurueck zu trampen. Noch am selben Tag ueberqueren wir ein zweites Mal den Pass und machen uns dann auf den Weg in Richtung Nordwesten. Wir zelten auf 4000m Hoehe im Grasland des tibetischen Hochplateaus, hier ist einfach jeder Spot ein genialer Campingplatz!!! Natuerlich kriegen wir auch hier viel Besuch, alle halten mal kurz an, eine tibetische Familie kommt aus ihrem Zelt, welches ca. 500m von uns entfernt steht, alle wollen ein Liedchen auf der Gitarre hoeren oder uns nur voellig interessiert beim Zelt auf- und abbauen oder beim kochen zusehen. Alles was wir tun, scheint auf jeden Fall total spannend zu sein. Manchmal glaube ich, dass ich mich auch einfach nur als lebende Skulptur in die Landschaft stellen koennte und selbst das waere noch interessant.




Am naechsten Tag machen wir fast nur km. Wir bekommen eine Mitfahrgelgenheit mit drei Trucks gleichzeitig! Wir muessen uns aufteilen, Taylor geht in den ersten Truck, ich in den Zweiten. Wir fahren durch die wunderschoene Landschaft dieses einmaligen Hochplateaus und bewegen uns immer, trotzdem wir rundherum hohe Berge haben, zwischen 4000 und 5000m Hoehe! Ich habe mich allerdings allmaehlich an die Hoehe gewoehnt und bin nicht mehr so ausser Atem, wenn wir zwischen den Autostopps wandern (wir legen doch recht grosse Strecken per Fuss zurueck, da der Verkehr hier nicht gerade "fliessend" ist...). Nachts kommen wir mit dem Truck-Treck in einem Dorf an der T-Kreuzung an, wo wir aussteigen muessen, da unsere Fahrer in eine andere Richtung fahren und wir uns noch in Ruhe entscheiden muessen, ob wir eine Strasse ins Niemandsland Richtung Seidenstrasse nehmen, die in allen unseren fuenf Strassenkarten anders aussieht, oder ob wir wieder viele km Umwege machen, dafuer aber entlang einer Hauptstrasse reisen...
Erstmal suchen wir in diesem tibetischen Dorf einen Platz zum schlafen, den wir auch finden auf einer freien Flaeche mit Steinhaufen. Wir sind zu muede die Zelte aufzubauen und es ist schon stockfinster, und schlafen ohne "Dach ueber dem Kopf" mit Plastikplane, Iso und Schlafsack. Die Naechte hier oben sind bitterkalt (aber wunderschoen sternenklar!) und am morgen hat man entweder Eis auf dem Zelt oder eben auf dem Schlafsack. Aber mein Schlafsack haelt das aus!



Der Unfall:


Wir sind also mit Budu und seiner Familie unterwegs, weil sie uns einen besonders schoenen Ort zeigen wollen. Kurz vor dem naechsten Ort in der Kurve passiert dann das, worauf ich eigentlich bei dem Fahrstil den die Asiaten an den Tag legen, schon gewartet habe. Es geht ganz schnell, im Augenwinkel nehme ich noch das Motorrad war, dann kracht es und wir rutschen in den Seitengraben, der Jeep kommt in Schraeglage zum stehen. Ich denke nicht grossartig nach, greife ueber meine Sitznachbarin hinweg, oeffne die Tuer und springe heraus. Ich sehe das Motorrad auf der Strasse liegen und den Tibeter daneben. Ich renne zu ihm und sehe das Blut aus seinem Kopf laufen. Alles was nun folgt, gibt mir das Gefuehl der einzigige Solo-Darsteller in einem schlechten Film zu sein. Innerhalb von einer Minute sammelt sich eine Menschenmenge von gaffenden Tibetern an. Ich gebe lautstark lamentierend Unterweisungen und der einzige Mensch der mich versteht und automatisch meinen Anweisungen folge leistet ist Taylor (klar, der spricht englisch!). Das Loch in der Stirn ist derbe und schockt mich, aber Taylor bringt die von mir verlangten Serviettenpackungen die ich ihm mit der einen Hand auf die Wunde am Kopf druecke, mit der anderen Hand versuche ich den Tibetern klar zu machen, die Ambulanz zu rufen, etwas zu tun, wobei mir noch im selben Augenblick klar wird, dass es hier oben keine Ambulanz gibt. Ich befehle Taylor waehrend ich mich selber umschaue und mit beiden Haenden den Kopf des Mannes festhalte, waehrend mir immer noch Blut ueber die Haende laeuft “we need something to tie up, to fix the bandage” – niemand tut etwas, Taylor findet ein Stueck Plastikband was lang genug ist und ich binde es fest um den Kopf des Mannes. Waehrend dieses Prozederes sammeln sich mehr und mehr Menschen an, bestimmt 30-40, weiss der Geier wo die alle herkommen, aber das schlimmste fuer mich ist, dass sie einfach nur dastehen und glotzen. NIEMAND tut etwas, und ich kann auch nichts tun, nur den Kopf halten, ich kann nicht einmal fragen wie es ihm geht, da ich weder Chinesisch noch Tibetisch spreche. Irgendwann kommt endlich jemand und versucht dem Kerl hochzuhelfen. Ich versuche ihm klar zu machen, dass er liegen muss und nicht laufen kann, dabei wird mir allerdings klar, dass es hier keinen Krankenwagen gibt und so helfe ich mit, den Mann mit dem auch offensichtlich gebrochenen Bein auf ein Motorrad zu hiefen, wo er sich notduerftig an seinem Fahrer festklammert, waehrend ich mich frage, ob ich wirklich gerade einen Schwerverletzten auf ein Motorrad verfrachte….wie kann man sich nur so machtlos fuehlen? Ich konnte nichts tun und bin lediglich eine Fremde. Andererseits habe ich wenigstens versucht etwas zu tun im Gegensatz zu den Vollpfosten die ja eigentlich ihr “Ghetto” kennen sollten. Dies ist mein erstes frustrierendes Erlebnis in diesem sonst so wunderschoenen Land mit seiner einzigartigen Kultur. Fuer mich eine bittere Erfahrung, und schwer zu akzeptieren was da vor sich ging, zumal meine – sonst so geschaetzte- tibetische Gastfamilie noch angefangen hat mit dem verletztem ueber die Schuldfrage zu diskutieren, waehrend der sich gerade Mal einigermassen durch das Schock-Adrenalin aufrecht halten konnte. Fuer mich der falsche Weg…

Autostopp mit Moenchen und eine Einladung in eine Moenchs-WG











Fuer uns geht es weiter bergauf auf das tibetische Hochplateau. Eine tibetische Familie nimmt uns mit, dann ein dicker Moench in einem kleinen, gruenen Auto, welches zwischendurch im Schlamm stecken bleibt, aber wir kommen auf ca. 4000m Hoehe. Oben auf dem Berg leben Nomaden in Zelten und es ist recht kuehl und nebelig. Der Moench nimmt uns mit bis nach Junho, eine wirklich schoene tibetische Stadt. Ueberall laufen Moenche und Tibeter in schoenen traditionellen Gewaendern rum. Wir durchqueren die Stadt per Fuss, und das Laufen mit den schweren Rucksaecken auf dieser Hoehe ist doch recht anstrengend und laesst einen oft nach Luft schnappen. Am Ortsausgang machen wir dann an einer Tankstelle Pause. Innerhalb weniger Minuten sammeln sich mehr und mehr Tibeter an, die uns alle freundlich in Tibet willkommen heissen, aber auch verdammt neugierig sind. Wie kleine Kinder umkreisen sie unsere Rucksaecke und versuchen unter die Regencover zu schauen. Einer entdeckt begeistert meine Gitarre und erforscht den Inhalt der Tasche. Ich tue ihnen anschliessend natuerlich den Gefallen und spiele ein wenig auf der Gitarre.
Nachdem der Regen nachgelassen hat, laufen wir weiter und werden wieder einmal von einem Minni-Traktor auf dem Anhaenger mitgenommen, was wir – natuerlich als alte Hasen- stehend auf der holprigen Strasse easy meistern.
Beim naechsten Autostopp werden wir von Budu mitgenommen und das ist unser Glueck. Budu ist ein in Tibet recht beruehmter Moench. Er ist Oberhaupt eines buddhistischen Zentrums in Malaysia und ist schon viel gereist um als Lehrmeister in anderen Laendern zu agieren. Als naechstes faehrt er nach Indien.
Aber nun faehrt er nach Ganze und laedt uns ein in seine Moenchs-WG (jaha die gibts auch!). Wir lernen seine “Mitbewohner-Moenche” kennen, die alle sehr nett sind und eine wirklich friedvolle Aura haben, so dass man sich selbst ganz schnell relaxed und pudelwohl fuehlt. Am Abend laden sie uns zu tibetischen Essen ein, es gibt tibetischen Tee, gefuellte Teigtaschen, scharfe Suppe uns sonst noch einiges nicht definierbares…
Wir kommen in den Genuss einer Dusche und duerfen am naechsten morgen sogar weiterfahren, weil Budu zu seinem Kloster faehrt und uns einlaedt bei seiner Familie zu bleiben, die ca. einen Steinwurf weit entfernt vom Kloster wohnt. Wir werden empfangen wie Staatschefs, drei tibetische Maedchen haben fuer uns ein Festmahl vorbereitet, so dass uns die Gastfreundschaft schon fast unangenehm ist. Am Nachmittag kann Taylor mit einigen Moenchen zum Kloster gehen. Ich darf leider nicht mit, warum, war nicht wirklich rauszukriegen, ich darf im August nicht, im September duerfte ich. Wie auch immer, ich gehe mit den drei Maedchen auf Erkundungstour in das Grasland des tibetischen Hochplateaus. Wir wandern in das naechste Dort, die Maedchen singen mir tibetische Lieder vor und zeigen mir tibetische Taenze. Im Dorf besuchen wir dann einige Tanten bzw. Onkels der Maedchen (in diesem Dorf scheinen alle verwandt zu sein, aber dieses Phaenomen kennen wir ja auch aus deutschen Doerfern…) Ich become allerdings so einen Einblick in tibetische Haeuser, die allesamt sehr sauber und sehr liebvoll eingerichtet sind. Die Schraenke sind kunstvoll mit bunten Ornamenten verziert und in jedem Haus gibt es einen grossen Feuerofen, auf dem die Frauen die Mahlzeiten und natuerlich den Tee vorbereiten. Weiterhin sind die Plaetze um den Feuerofen die Besten, weil es dort am waermsten ist. Die Familien die ich an diesem Nachmittag kennen lerne, haben alle sechs und mehr Kinder (tja, hier scheint die chinesische Ein-Kind-Politik nicht mehr zu greifen – und eine Strafgebuehr wegen zu vieler Kinder kann hier sowieso keiner bezahlen…). Von einer tibetsichen Frau bekomme ich sogar eine Halskette geschenkt, die ich eigentlich gar nicht annehmen will, weil ich weiss wieviel Wert sie auf ihre traditionelle Kleidung legen. Im Dorf bin ich die Attraktion, alle halten an und wollen mich begruessen. Leider bin ich auch von Weitem unschwer als Fremde zu erkennen, da ich nicht nur blonde Haare habe, sondern die Maedels auch um einen guten Kopf ueberrage 
Wir laufen zurueck zum Haus in der Steppe und Budu will uns dann mitsamt seiner Familie zu einem schoenen Ort bringen, den wir allerdings nie erreichen werden…

Freitag, 18. September 2009

Heading to Chengdu (Sechuan Province)


Chinese Mob Effect!!!




Mit kleineren Stopps passieren wir am naechsten Tag die Bergdoerfer, die Bevoelkerung aendert ihr Gesicht, sie sehen schon fast tibetisch aus, wenn sie mit ihren Korpkiepen und Pfeifen die Paesse entlangwandern. An den Paessen wird immer wieder Honig verkauft.

Hart wird es dann in Chongquing, wo wir rund um den Highway der Millionenstadt trampen muessen, und das in stroemenden Regen. Die Autofahrer haben Probleme mit Aqua-planning. Irgendwie schaffen wir es mit 35 Erklaerungen auf den richtigen Highway. Ein buddhistischer Moench nimmt uns mit und haelt fuer uns an bevor wir ihn anhalten koennen. Er ruft seinen Sohn per Handy an, der fuer uns uebersetzt. Er koennte uns am naechsten Tag mit nach Chengdu nehmen, wir erklaeren, dass wir es heute noch versuchen wollen. Am Turnoff haelt er an und sucht sein Auto nach Geschenken fuer uns ab, Regenschirme, eine City-Karte von Chengdu und ein all-rounder Medikament, dann verabschiedet er sich schweren Herzens von uns. Wir bekommen ein letztes Auto und werden Abends in Chengdu abgesetzt – 2100km geschafft!

In Chendu angekommen haben wir Probleme unseren Host zu kontaktieren. Wir warten vor einem Internet-Café. Zufaelligerweise stellt sich heraus, dass die Adresse von Dane (unserem Couch-Surfer, ein 54jaehriger Englisch-Lehrer) direkt um die Ecke vom Internet Café ist. Wir folgen dem chinesischen Security-guide in die Community, doch als er in die Gegensprechanlage spricht, schallt uns lediglich chinesisches Kauderwelsch entgegen. Enttaeuscht zwockeln wir ab, nach vier Tagen “on the road” wuerden wir uns ja doch sehr ueber eine Dusche freuen. Wir kommen mit dem Chef vom I-Café ins Gespreach und er sagt wir koennten auch dort schlafen, denn es ist mittlerweile 22Uhr. Mit dem Satz” You are in China, everything is possible” laedt er uns ein…Wir nehmen diese Einladung als letze Moeglichkeit an und kontaktieren die Back-up-hosts, die uns kurzfristig nicht weiterhelfen koennen. Komischerweise kennen sowohl der Internetbesitzer als auch einige umstehende Chinesen Dane als wir sein Aussehen beschreiben. Wir versuchen es erneut und erreichen schliesslich Dane

um 23:30Uhr (der daemliche Security-guide hat sich in der Klingel vertan – Depp, der!) und Dane hatte sein Guthaben auf dem Telefon nicht aufgeladen…tja, so kann es gehen…

Die naechsten Tage in Chengdu verbringen wir mit Organisation und Informationsbeschaffung fuer unsere Reise nach Tibet. Von der Shanghai CS-Szene haben wir einige Tipps und Adressen bekommen wie wir Infos ueber die Einreise nach Tibet bekommen. Tibet ist seit den Aufruhen im letzten Winter wieder ziemlich abgeriegelt. Als Tourist kommt man nur dann rein, wenn man eine Gruppe von fuenf Leuten ist und eine komplett vorgefertigte, durchgeplante Tour mit Fuehrer bucht, d.h. man zahlt fuer ca. 1 Woche rund 300 Tacken. Das ist natuerlich zu viel und ausserdem moralisch nicht zu akzeptieren. Den Touristen wird dann also genau der Ausschnitt heile Welt vorgespielt, der vorher einstudiert worden ist. Die Tibeter duerfen genau dann ihre Religion

, ihre Taenze und Musik ausueben, wenn die Touristen kommen. Es ist von der chinesischen Regierung ein organisiertes Spiel, so berichten zumindest andere Reisende.

Wir wollen nach u

mfassender Informationsbeschaffung versuchen ohne Permission nach Tibet zu kommen. Wahrscheinlich wird es nicht klappen, bei dem engen Zeitplan den wir haben, jedoch wollen wir defintiv bis zur Grenze hoch. Viele Reisende sagen auch, dass der westliche Teil von Sechuan sowieso viel tibetischer ist, als Tibet selbst, da hier nicht viel zerstoert worden ist. Wir laufen noch zu einem Hostel, dessen Besitzter auch ein Couch-Surfer ist. Wir unterhalten uns lange mit Mix ueber unserer Moeglichkeiten. Er sagt vor zwei Jahren war es recht einfach illegal einzureisen, in zwei Jahren wird es wahrscheinlich auch wie

der einfacher sein – aber gerade dieses Jahr sei es schwierig, alles ist voller Militaersperren da oben. Ich bekomme n

icht einmal eine dieser Permissions zu Gesicht, da sie nur in Verbindung mit Ausreise Zug- od

er Flugticket rausgegeben werden. Also auch eine Billig-Faelschung sitzt nicht drin. Wir

wollen bis zur Grenze hoch, fuellen Vorraete auf, naehen Geld ind den Rucksack ein, reparieren Kleidung und besorgen Brennstoff und machen uns auf den Weg.

Am Abend vor unserer Reise zeigt uns Dane noch seine Schule in der er arbeitet. Ich habe selten eine

modernere Schule gesehen. Die haben von der Toepferei bis hin zu 20 Flat-Screens im Foyer der Schule ALLES! Die Flat-Sreens zeigent den Eltern, wie sich ihre lieben kleinen im Klassenraum benehmen – oder ist es vielleicht eher eine Observierung der Lehrer???

Freitag, 4. September 2009

Per Anhalter nach Tibet:









Wir machen uns am fruehen morgen auf den Weg heraus aus der Stadt, das kann mit oeffentlichen Verkehrsmitteln in einer chinesischen Stadt schonmal seine 3 Stunden dauern. Irgendwann faehrt der Bus nicht mehr Richtung Highway wie auf unserer Karte eingezeichnet, sondern biegt ab. Wir fragen im Bus herum, wer Englisch sprechen kann, ein junger Chinese hilft und weiter, er muss zu m gleichen Punkt wie wir, weil dort seine Uni ist. Der Tuc-Tuc Fahrer verfaehrt sich und der Chinese sagt, dass diese Gegend ja auch wirklich schwer fuer die Orientierung sei. Ein Blick in meinen Stadtplan sagt mir, dass alles im Schachbrett angelegt ist, wirklich einfach und ich erklaere dem Taxi-Fahrer wo er hinfahren muss. Wir enden am Beginn des Highways und laufen los. Der Chinese laeuft komischerweise mit und nach einer Weile frage ich ihn wo er eigentlich hinwill – ich meine, wir laufen immerhin mitten auf der Autobahn, das ist selbst fuer Chinesen ein ungewoehnlicher Platz. Er zuckt mit den Schultern und sagt soviel wie: Komisch letztes Mal sah hier alles anders aus! Mit Hilfe meines Stadtplans finden wir dann heraus wo er eigentlich hinmuss. Er freut sich und sagt, ich waere wirklich gut in “Orientation”. An dieser Stelle ist es Zeit fuer einen kleine Exkurs:


Chinese people and maps, and chinese maps:

Chinesen scheinen ueberhaupt keinen Orientierungssinn zu haben, oder sich komplett anders zu orientieren als wir es tun. Das kann man deutlich merken, wenn man per Anhalter faehrt. Sie brauchen immer ewig ihr Ziel oder wahlweise ihre Heimatstadt zu entdecken, und einige kommen gar nicht mit der Karte zurande, die wir ihnen unter die Nase halten. Ich habe eine Karte von China mit den Staedtenamen auf chinesisch und lateinischer Schrift, die allerdings in China hergestellt worden ist. Wir merken, dass die Distanzen zwischen den Staedten definitiv nicht stimmen, somit die Skala nicht zu gebrauchen ist. Weiterhin sind – optimistisch wie der Chinese ja ist – alle sich im Bau befindenden, oder gar nur geplanten Strassen – als vollwertige Fahrwege eingezeichnet. Wir halten also zuweilen drei Karten nebeneinander, um die Wahrheit irgendwo in der Mitte zu suchen, denn auch Taylors kanadische Karte stimmt nicht immer. Auch gibt es keine Wanderkarten von Gebieten kaeuflich zu erwerben (schon gar nicht vom tibetischen Grenzgebiet) also geben wir uns mit der Provinzkarte von Sechuan zufrieden und uebersetzen in muehevoller Kleinarbeit die chinesischen Schriftzeichen und messen km ab.


So geht es fuer uns hinauf per Autostopp aufs Hochplaeteau des Himalayas zuerst auf 3000m Hoehe. Die Temeperatur nimmt- Gott sei Dank- endlich deutlich ab. Die Strasse ist, da natuerlich im Bau befindlich, recht beschwerlich. An den Strassensperren begegnen uns schon die ersten tibetischen Moenche. Gegen Mittag nimmt uns ein Truck-Fahrer mit, wir unterhalten uns gut mit ihm auf der “no-language-communication”. Er erklaert uns, dass er etwas be- und entladen muss und danach weiter in unsere Richtung faehrt. Wir bleiben also im Truck, fahren rieseige Metallstangen entladen, zeigen dem Fahrer (der nicht aelter ist als wir) unsere Fotos waehrend der Wartezeit und er ruft seine Freundin an, die ein wenig Englisch kann zum uebersetzen. Die Freundin erklaert uns, dass uns unser tibetischer Freund zum Essen einladen moechte und uns anbietet mit ihm im Truck zu uebernachten, da es mittlerweile schon spaet ist und es draussen regnet. An einem Bergpass kommen wir dann gegen 23 Uhr an einem Restaurant an. Wir werden mit Essen versorgt, und dass nicht zu knapp und machen es uns anschliessend im Fuehrerhaeuschen des LKWs bequem. Unser Truck-Freund moechte gerne, dass ich Gitarre spiele und den Gefallen tue ich ihm natuerlich gerne, und er nimmt gleich alles mit seinem Mobiltelefon auf. Dann schreibt er uns noch auf Chinesisch einen langen Brief, mal sehen wo wir das uebersetzen koennen….


Eine Couchsurferin aus Xinjiang hat mir den Text spaeter uebersetzt:

I am really glad to know you guys, friends from far away. When i first saw you i fell like i know you before. You are very happy people and that makes me feel happy, too, cause i like happy people. I am worrieng you think i am up for sth. bad, so i found my friend to translate on the phone because of that. I hope you liked that food tonight. I hope you enjoyed it. I am very happy to have the opportunity to spend the night with two foreigners from Canada and Germany, ecspecially when the beautiful german girl used the guitar to play and sing. I will never forget this night. I thank Buddha that i have a wonderful day with you and you helped me to be happy and blessed forever. My name is Zhu Jau Bing, and i love my family, thats why i cherish all my friends around me.



Die Nacht schlafen wir also trocken und am anderen morgen verabschieden wir uns

und machen uns auf den Weg die Strasse entlang. Wir sind noch gute 300km von der Grenze entfernt, trotzdem kriegen wir schon jetzt “Stress” mit der Polizei. In jedem kleinen Bergdorf gibt es mindestens eine Polizeistation (show up!). So auch in jenem kleinen Dorf, indem der Truck, indem wir uns gerade befinden angehalten wird. Die Polizei macht offensichtlich Stress und sie kontrollieren unsere Paesse. Der LKW-Fahrer darf auch irgendweswegen nicht mehr weiterfahren, die Situation geht hin und her, wir haben die Schnauze voll, es passiert nichts produktives und tuermen. Die Polizei will, dass wir auf die Station kommen. Wir sagen, dass wir nicht dorthin gehen werden, solange es keinen Grund gibt, unsere Paesse und das Visum sind in Ordnung und wir duerfen

uns hier aufhalten. Waehrend die Polizei wieder mit dem LKW-Fahrer zugange ist, hauen wir ab, raus aus dem Dorf. Ein neuer LKW nimmt uns mit, wir freuen uns gerade, dass wir nun fort sind von dem Theater, da ueberholt uns die Polizeistreife und haelt den Truck an. Die drei Polizisten machen uns klar, dass wir mitkommen sollen. Ich gebe nochmals meinen Pass ab. Wir werden allmaehlich wuetend, weil wir nicht wissen was das Ganze soll. Wir laden unsere Rucksaecke aus und lassen den Truck passieren – das schein laenger zu dauern. Von den Polizisten spricht natuerlich keiner Englisch, so stehen wir alle doof im Regen an der Stra

sse rum. Die Polizisten noch dooefer!!!

















Wir erklaeren nochmals, dass wir nicht in eine Polizeistation gehen und schon gar nicht hier. Irgendwann kriegen wir wieder ein Telefon in die Hand gedrueckt. Taylor spricht mit irgendjemanden von der Polizei, wird rech

t sauer und erklaert dass sei uns in Ruhe lassen sollen und ich sage, dass ich das deutsche Konsulat in Chengdu anrufe, wenn sie uns nicht in Ruhe lassen. Dann faengt der Typ am Telefon an davon zu reden, dass wir nicht weitergehen koennen, weil die Strasse gesperrt ist, wegen des vielen Regens. Komischerweise passieren uns aber aus beiden Richtungen immer noch LKWs. Dann erzaehlt er, dass die Polizei uns nur helfen will. Wir erklaeren, dass wir keine Hilfe brauchen und nun weiterlaufen werden (in der Hoffnung, dass die sich endlich verkruemeln). Wir laufen also weiter und die Polizei eskortiert uns fahrenderweise, und wir kriegen einen Vollhals, weil

wir so schlecht ein Auto stoppen koennen. Irgendwann haelt allerdings die Polizei einen Bus fuer uns an, und wir sagen wir wuerden keinen Bus bezahlen, da sagt die Polizei: kein Problem…und wir steigen ein. Spaeter wissen wir warum es so einfach war, in der naechsten Stadt wartet die naechste Kontrolle und die chinesische Polizei agiert ein bisschen nach dem Motto, aus den Augen aus den Sinn, sobald wir also weg sind ist es nicht mehr ihr Problem. Wir werden also hier registriet und- by the way- die Strasse war nirgendwo gesperrt. Aber dafuer hatten wir die Busfahrt mit vielen netten und interessanten Tibetern. Die Atmosphaere in diesem Bus war soviel entspannter als in chinesischen Bussen. Es war still, nur einige haben vor sich hingesungen, traditionelle Lieder und die Gloeckchen an den Scheiben haben geklungen.

Nach der Registration (waehrend dieses Prozederes habe ich die Augen verd

reht, weil die Chinesen alles so furchtbar kompliziert machen- die Fragen einen sogar mit MEINEM Visa in der Hand “where you from”- mussten die Tibeter lachen und ich fuehle mich auf seltsame Art und Weise mit ihnen in einem Boot) machen wir uns weiter auf den Weg, mit tibetischen Familien durch kleine tibetische Doerfer in denen uns die Menschen freundlich anlaecheln und “Welcome to Tibet” sagen. Hier also faengt Tibet an! Auf 3500m Hoehe wird die Kultur so anders, soviel freundlicher, echter und interessanter, dass ich mein

Heimweh vergesse und mich frage wie man gegen ein solches – absolut Frieden austrahlendes- Volk als Regierung nur so robust vorgehen kann. Viele Fragen kreisen in meinem Kopf. Je hoeher wir kommen umso mehr Polizei und Militaer begegnen uns. Daneben laufen dann Moenche und Tibeter in ihren traditionellen Kleidungen. Dieser Anblick ist irgendwie grotesk und stimmt mich auch traurig. Ich kann nicht verstehen was hier vor sich geht.

Weiterhin entdecke ich viele parallelen zum mongolischen Volk in der Musik, in den Mustern und Ornamenten, in der Kleidung, in der Zeichensprache und die Art und Weise wie sei ihre Haeuser schmuecken und nicht zuletzt die friedvolle und relaxte Art und Weise mit der sie agieren. Dies steht fuer mich im krassen Gegensatz

zu dem ganzen chinesischen Getue rundherum. Und die chinesischen Flaggen die immer wieder hier und da oeffentliche Gebaeude und Polizeistationen schmuecken wirken auf grotestke Art und Weise fehl am Platz.

Die Landschaft hier oben ist einfach umwerfend schoen, die Haeuser sind so liebevoll bunt mit tibetischen Mustern bemalt und auf den Strassen trifft man Pilger die nach Lhasa pilgern, Bauern mit Kiepen, Frauen mit Kindern auf den Ruecken, die ihre Haare kunstvoll zusammengesteckt haben und die bunte, tibetisch Trachten tragen. Die Strassen bleiben allerdings weiterhin beschwerlich. Immer wieder sieht man Stein- oder Schlammlawinen die die Strasse zerstoert haben und blockieren.

Gegen Abend sind wir in einem kleinen Dorf. Wir wollen ausserhalb des Dorfes einen Platz fuer unser Zelt suchen. Die Kinder des Dorfes folgen uns. Wir unterhalten uns ein wenig mit ihnen. Ein kleiner Junge traegt einen kleinen Affen unter seinem Pullover, den er uns stolz zeigt.


Dann laufen wir weiter um einen guten Spot zu finden, oben am Huegel steht ein tibetischer Bauer mit seinem Minni-Traktor, er winkt uns mit einer Geeste und ich denke nur: L

ets go for it! ....und renne den Huegel hinauf. Der kleine Traktor hat einen Minni-Anhaenger auf den wir uns stellen und schon geht die Fahrt los. Wir muessen uns gut festhalten, waehrend uns der Matsch von der Strasse ins Gesicht spritzt. Aber die Fahrt macht Spass, entlang des Flusses koennen wir nach geeigneten “Camping-Plaetzen” Ausschau halten. Am Rande des Flusses stehen nach einiger Zeit einige Gebaeude und der Bauer stoppt, und wir wollen unser Zelt aufschlagen. Der Bauer wird umringt von ca. 7 Kindern, erklaert uns mit Gesten, dass wir bei ihm Essen und schlafen sollen. Nach einer Weile nehmen wir das Angebot an und denken es kann ja nicht schaden fuer eine Nacht trocken und

warm zu schlafen (aber es sollten noch viele dieser Angebote folgen!). Wir laufen also mit ihm und den Kindern in seine Unterkunft. Es ist alles sehr, sehr aermlich - in der Mitte des einen (von zwei!) Raeumen steht ein grosser Feuerofen, wo seine tibetische Frau uns nun tibetischen Tee kocht. Hier treffen wir auch Powazachen, seinen 19jaehrigen Neffen, der ein wenig Englisch sprechen kann. An diesem Abend unterhalte ich mich viel mit Powazachen. Er scheint ganz helle zu sein, gibt sofort selbstbewusst (einen Charackterzug den man bei Chinesen nicht so beobachten kann) zuverstehen, dass er Tibeter ist und die Chinesen nicht mag weil sie so viel zerstoert haben. Er bringt uns unsere ersten tibetischen Woerter bei, und schreibt uns einiges in tibetischer Schrift auf die, nebenbei gesagt, wunderschoen ist!

Wir erfahren in dieser kleinen, armen Bauernfamilie so unglaublich gute Gastfreundschaft, dass ich sie innerhalb von wenigen Stunden in mein Herz schliesse. Als sie anfangen zu kochen, wollen wir ihnen von unserem Gemuese abgeben und muessen wirklich darum kaempfen, dass sie es annehmen. Der Bauer gibt uns immer wieder zu verstehen, dass wir viel Essen muessen fuer den Weg, indem er sich ueber den Bauch streicht und Laufbewegungen macht!

Wir duerfen in dem einzigen "Bett" was die Familie besitzt uebernachten (bzw. muessen! Es ist uns nicht erlaubt auf unserer Thermarest zu schlafen), waehrend Powazachen mit seinen drei Geschwistern auf einer Matte auf dem Boden schlaeft. Am anderen morgen gibt es zum Fruestueck Reis mit Gemuese und Dscha mit Yakmilch (dem tibetischen Tee) - was mich auch an die Mongolei erinnert!

Mir faellt der Abschied von dieser kleinen Familie schwer, aber unsere Visa-Zeit rennt ein wenig und wir koennen trotz weiterer Einladungen nicht bleiben. Leider haben die meisten Tibeter keine Postadresse, so dass es schwer wird in Kontakt zu bleiben :-(


Fuer uns geht es weiter bergauf auf 5000m Hoehe auf das tibetische Hochplateau!